

Wie nah muss jemand an diese Tiere herangekommen sein, um sie so zu malen?
Nimm dir einen Moment, bevor du weiterliest.
Schreib mir, welches Pferd du zuerst gesehen hast. Bei diesem Gedränge sieht jede/jeder etwas anderes zuerst. Ich schreibe dir zurück.
Sehr nah. Anderthalb Jahre lang, zweimal pro Woche.
Rosa Bonheur ging auf den Pferdemarkt am Boulevard de l’Hôpital und zeichnete. Damit sie dort unbehelligt arbeiten konnte, trug sie Männerkleidung. Und dafür brauchte sie eine behördliche Erlaubnis: die permission de travestissement, ausgestellt von der Pariser Polizeipräfektur, alle sechs Monate neu zu beantragen.
Sie war zu Lebzeiten eine der berühmtesten Künstlerinnen Europas. 1865 wurde sie als erste Malerin in die französische Ehrenlegion aufgenommen. 1894 war sie die erste Frau, die dort zum Offizier ernannt wurde. Viele Jahrzehnte lebte und arbeitete sie mit Nathalie Micas zusammen.
Etwas geht dir hier auf dem Bildschirm verloren: Das Bild ist über fünf Meter breit, die Pferde sind nahezu lebensgroß. Man steht nicht davor, man steht mittendrin. Genau so war es gedacht, es sollte den Salon beherrschen.
Wie nah muss jemand herangekommen sein, um Tiere so zu malen? So nah, dass sie dafür alle sechs Monate zur Polizei musste.
Rosa Bonheur
Der Pferdemarkt (Le Marché aux chevaux), 1852 bis 1855. Öl auf Leinwand, 244,5 × 506,7 cm. The Metropolitan Museum of Art, New York.
Rund drei Jahre Arbeit: etwa 18 Monate Vorstudien auf dem Markt, gemalt 1852/53, im Salon 1853 gezeigt, danach noch einmal überarbeitet bis 1855. Eine kleinere Fassung von 1855 hängt in der National Gallery London und wirkt völlig anders.
Bis zum nächsten Impuls, hab einen schönen Sonntag.
Herzliche Grüße
Andrea
Übrigens: Am 2. Oktober führe ich interaktiv durch "Niki de Saint Phalle – Dream Machine" im Kunstpalast Düsseldorf, 5 Euro zuzüglich Eintritt. Alle Termine findest du hier.
1 Met Open Access, CC0, Objekt-ID 435702.
